Münster Bad Doberan
von Norbert Kaiser (English: own work. Deutsch: eigene Aufnahme.) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Das Bad Doberaner Münster war bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Klosterkirche des Zisterzienser-Klosters Doberan und ist heute die Kirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bad Doberan. Es gehört zu den bedeutendsten hochgotischen Backsteinbauten Mecklenburgs.

Nachdem Fürst Pribislaw 1164 den christlichen Glauben angenommen hatte, genehmigte er dem ersten Schweriner Bischof Berno die Gründung eines Klosters. Diese erfolgte durch einen Konvent von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Amelungsborn im Weserbergland in Althof, einem damaligen Dorf bei Doberan. 1171 wurde das Kloster bezogen und erhielt dank großzügiger Schenkungen bald erheblichen Grundbesitz. Es war das erste mecklenburgische Kloster. Nach dem Tod Pribislaws 1178 wurde das Kloster 1179 in den gewaltsamen Thronfolgeauseinandersetzungen zerstört. Dabei starben 78 Menschen. In Althof, heute ein Ortsteil von Bad Doberan, stehen noch Reste der alten Klosterscheune. Die Neuansiedlung erfolgte 1186 in Doberan.

Im Jahr 1232 stand auf dem Gelände des Klosters ein kleinerer romanischer Vorgängerbau, der im 13. Jahrhundert durch ein neues Münster ersetzt wurde. Um 1280 begann der Bau, wobei erhaltene Teile der romanischen Kirche in den neuen Baukörper einbezogen wurden. Um 1297 waren der Rohbau und das Dachwerk des gotischen Münsters fertiggestellt, 1301 die erste Bronzeglocke unter Abt Johann von Elbing geweiht. Neun Jahre später war die Erstausstattung des Chorraumes fertig, der Hochaltar bereits um 1300. 1368 wurde das Münster geweiht. Das Münster war die wichtigste landesfürstliche Grablege im Mittelalter, was seine besondere politische Bedeutung

Die Reformation und die Lehren Martin Luthers fanden zunehmend auch Anhänger in Mecklenburg. Die bedeutendsten Anhänger der neuen Lehre waren die beiden mecklenburgischen Herzöge Heinrich V. und Albrecht VII.. Albrecht VII. wandte sich jedoch bald wieder dem Katholizismus zu, während sich sein Bruder Heinrich V. zum neuen Glauben bekannte und im Jahr 1526 dem Torgauer Bund beitrat. Der offene Konflikt zwischen den Brüdern führte am 7. Mai 1520 zu einer Teilung Mecklenburgs (Neubrandenburger Hausvertrag) in die Teile Schwerin und Güstrow. Das Kloster Doberan fiel nun in den Herrschaftsbereich Schwerins, welches Heinrich V. unterstand. Dieser berief 1521 Joachim Slüter als Reformator für Mecklenburg an die Universität Rostock. Durch Slüter bestand ein enger Kontakt nach Wittenberg. Slüter war es auch, der die Reformation in Mecklenburg weiter vorantrieb. Das Doberaner Kloster stand noch unter dem Schutz des Herzogs. Bei einer 1552 durch Johann Albrecht I. initiierten Generalvisitation wurde eine revidierte Kirchenordnung publiziert. Diese neue Ordnung regelte die Säkularisation der Landesklöster und die Einverleibung ihrer Besitzstände in das landesherrliche Domanium. Damit endete die klösterliche Ära im Doberaner Kloster, welches erst 1530 durch Kaiser Karl V. eine Bestätigung seiner Privilegien erhalten hatte. Am 7. März 1552 kam es zu einem Vergleich zwischen dem amtierenden Abt Nikolaus Peperkorn und dem Herzog. Der Abt bestätigte dem Herzog, dass er das Kloster und die Besitztümer „ganns freywiligk, ungezwungenn unnd ungedrungenn“ übergeben habe. Der Abt mit seinen noch lebenden Mitbrüdern zog sich in das Tochterkloster Pelplin zurück. Vermutlich kam es aber schon vorher zu einem deutlich sichtbaren Niedergang des Doberaner Klosters, das seine geistliche Vormachtstellung schon 1419 an die gerade gegründete Universität Rostock abgegeben hatte. In Doberan wurde ein herzogliches Amt eingerichtet und das Kloster und dessen Besitz durch den herzoglichen Hauptmann Jürgen Rathenow in Besitz genommen, im Münster wurden Reliquien entfernt, es kam zu Zerstörungen der Klosteranlage. Herzog Ulrich von Mecklenburg konnte diesem Prozess Einhalt gebieten und das Münster retten. Bald danach begann auf Veranlassung der Herzogin Elisabeth, der Gemahlin des Herzogs Ulrich, eine Sanierung des Münsters. Nach ihrem Tod hieß es am 23. November 1586 bei David Chytraeus:

„Die herrliche Closter-Kirche zu Doberan, darin von anfang der Christlichen Religion in diesen Landen von 400 jahren hero die loblichen Fursten zu Meckelnburg, darunter auch ihr erster Herr vnd Ehegemahl Hertzog Magnus, ire begrebnus gehabt, als sie in dieser vnserer zeit Religions verenderung von den Fursten eingenomen vnd durch lanckheit der zeit bawfellig worden, hat sie bey den Hertzogen zu Meckelnburg so lang angehalten vnd mit vermanen vnd bitte nicht abgelassen, bis sie ihren hochloblichen Voreltern zu schuldigen Ehren nicht mit geringen unkosten dieselbige wiederumb ernewert vnd allenthalben gebessert vnd verzieret haben.“

Im Jahr 1564 wurde in Doberan mit Hermann Kruse der erste evangelische Prediger als Pfarrer eingesetzt und das Münster wurde als Doberaner Pfarrkirche geweiht.

Nachdem das Kloster die Säkularisation relativ unbeschadet überstanden hatte, wurden die Klosteranlage und das Münster 1637 im Dreißigjährigen Krieg geplündert und beschädigt. Bereits ein Jahr später begannen Sicherungsarbeiten am Dach und der Ausstattung des Münsters. Zum Ende des Krieges wurden einige Klostergebäude abgetragen. Zwischen 1883 und 1896 wurde das Münster von Gotthilf Ludwig Möckel im Auftrag des Großherzogs Friedrich Franz II. im neogotischen Stil restauriert, nachdem dieser bereits 1877 das Beinhaus instandgesetzt hatte. Die Ausmalungen dieser Zeit von Karl Christian Andreae wurden bei den späteren Sanierungen des 20. Jahrhunderts wieder zugunsten des ursprünglichen Zustandes beseitigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Münster nicht beschädigt. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde es generalsaniert und kam auf Rang drei der national bedeutenden Denkmäler mit internationalem Kunstwert in der DDR. 2002 begannen weitere umfassende langjährige Restaurierungsmaßnahmen. 2009 wurde die Sanierung der Schuke-Orgel abgeschlossen. Das Münster wird derzeit für Gottesdienste, aber auch für Konzerte, Führungs- und Besichtigungsbetrieb genutzt. Es werden jährlich etwa 200.000 Besucher gezählt.


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