Festung Germersheim
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Die Festung Germersheim war eine königlich-bayerische Festung in der pfälzischen Stadt Germersheim. Sie wurde vom Deutschen Bund finanziert und war Teil eines Festungssystems im Westen Deutschlands zum Schutz vor befürchteten französischen Angriffen. Die Festung Germersheim war nicht, wie oft behauptet, eine Bundesfestung. Während der 1834 begonnenen und 1855 bzw. 1861 vollendeten Erbauung Arbeitsplätze sichernd, behinderte sie späterhin die Stadtentwicklung und verhinderte jegliches Wachstum der Bevölkerungszahl oder Ansiedlung von Industrie. Seit 1878 war die Festung Standort des 17. Infanterieregiments „Orff“ der Bayerischen Armee. Infolge des Vertrages von Versailles wurde sie zwischen 1920 und 1922 zum größten Teil geschleift; die heute noch erhaltenen Teile werden mittlerweile gemeinhin als lokales Kulturgut angesehen.

Nachdem die Stadt 1792 französisch geworden war, legten die Franzosen neue Befestigungen an, die 1814 nach der Übernahme durch Bayern verstärkt wurden. Der Deutsche Bund erkannte bereits ein Jahr später die Bedeutung Germersheims als strategisch wichtiger Knotenpunkt. Im Falle eines französischen Angriffes sollten möglichst schnell Truppen in der Linie Luxemburg–Landau–Rastatt gesammelt werden, um diesen abzuwehren. Germersheim kam eine wichtige Bedeutung zu, da es das erste militärische Mittelzentrum war, an dem die Franzosen, deren Angriff in erster Linie aus südlicher Richtung zu erwarten gewesen wäre, den Rhein überschreiten und in Baden einfallen könnten. Weiterhin wäre die Stadt zum damaligen Zeitpunkt von Osten, wo der Rhein eine natürliche Grenze darstellte, und Norden, da dies zu dem damaligen Zeitpunkt reines Sumpfgebiet war, nur schwer zurückzuerobern gewesen.

Vor diesem Hintergrund begannen bereits 1818 erste Vermessungsarbeiten an der Stadt, bei denen ein jedoch bald wieder verworfener Plan, eine Festung nach dem Polygonalsystem zu errichten, entworfen wurde. Der endgültige Entschluss der Bundesversammlung, die Stadt zu befestigen, erfolgte erst 1832. Die Ausarbeitung eines Planes und die Leitung der Bauarbeiten wurden Friedrich von Schmauß übertragen.

Am 30. Juni 1834 begann mit der Aushebung des Hauptgrabens der Bau der Festung, am Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig des gleichen Jahres, dem 18. Oktober, wurde der Grundstein der Festung gelegt. Der eigentliche Bau wurde 1855 vollendet, jedoch zog sich das Graben der Minengänge bis 1861 hin; insgesamt dauerte der Bau also siebenundzwanzig Jahre.

Das Hauptwerk der polygonalen Festung war, nebst einer Stadtumwallung, in sechs Fronten (von Nordwesten im Uhrzeigersinn: Carl, Reuß, Diez, Lamotte, Schmauß und Beckers) eingeteilt, wozu noch die Vorfronte Hertling sowie einige Kaponniere kamen. Weiterhin gab es zehn vorgelagerte Verteidigungsanlagen: Die drei stärksten (Friedrich (der Siegreiche) im Nordosten, Wrede im Osten und Deroy im Südosten) wurden Vorfesten (zeitgenössisch noch -veste geschrieben) genannt; sechs schwächere, sogenannte Vorwerke, von welchen sich vier auf rechter Rheinseite (von Süden nach Norden: Zandt, Brückenkopf, Seydewitz und Treuberg) und zwei (Siebein im Norden und Vincenti im Südwesten am Rheinufer) auf linker Rheinseite befanden; schließlich kam noch das besonders schwache linksrheinische Flügelwerk Ysenburg [iːzən-] im Nordwesten hinzu. Es gab zwei Eingänge zur Stadt, nämlich das Ludwigstor (ursprünglich Deutsches Thor) im Nordwesten und das Weißenburger Tor (ursprünglich Französisches Thor) im Osten. Weiterhin war das Gelände außerhalb der Hauptumwallung fast vollständig von Minengängen durchzogen. Es gab ursprünglich vier Kasernen, davon drei Defensivbauten (Stengelkaserne, Seysselkaserne und Theobaldkaserne), sowie die nicht-defensive (Franziskaner-)Klosterkaserne. Später kamen noch drei weitere (Zollerkaserne, Pontonierkaserne und Maschinengewehrkaserne) dazu, sodass sich die Anzahl am Ende des Bestehens der Festung auf sieben Kasernen belief.

 

Zu Beginn der Bauarbeiten sollte Germersheim eine der stärksten Festungen überhaupt werden. Wäre sie zu diesem Zeitpunkt bereits gestanden, so hätte sie zweifellos als „uneinnehmbar“ gegolten. Doch soweit kam es nicht: Noch während der Bauarbeiten setzte eine Welle der Verstärkung von Feuerwaffen ein. Insbesondere die neuen Kanonen zeigten sich als schlecht für die Festung: Die Reichweite vergrößerte sich so sehr, dass sie nunmehr ausreichte, sowohl die Forts als auch die Hauptumwallung gleichzeitig unter Beschuss nehmen zu können. Da weiterhin die Stadtumwallung, wie sich späterhin herausstellte, nur unnötig die Stadtentwicklung behinderte, empfahl Heinrich von Heß bereits bei einer Festungsbesichtigung 1860 das Werk um eine zweite Reihe von Forts zu erweitern.

Dies hätte Vorteile für die Stadt gehabt, da der Hauptwall mangels Nutzen hätte aufgelassen werden können. Als Folge dieser Maßnahme hätte sich die Stadt weiterentwickeln können. Aus Kostengründen (es hätte knapp 5½ Mio. Gulden gekostet) wurde dies jedoch nicht realisiert.

Insbesondere nach dem Sieg der Deutschen im Deutsch-Französischen Krieg und der Annexion Elsaß-Lothringens kümmerte man sich in erster Linie um die neuen Festungen Metz und Straßburg. Weiterhin wurde die noch stärker veraltete Festung Landau aufgelassen, woraufhin sich die Stadt fast explosionsartig weiterentwickelte. Germersheim wurde nicht weiter befestigt. Zusammen mit dem Veralten der Anlagen lässt sich ihr Nutzen während der Kaiserzeit also fast als „null“ betiteln.

1908 wurde erstmals ein Durchbruch durch die Festungsmauer vorgenommen. Dabei wurde die Orffstraße verlängert und die heutige Zeppelinstraße und somit ein neuer Zugang zur Stadt geschaffen, der fortan als Abkürzung der Straße Germersheim–Bellheim fungierte (ohne, dass Anreisende zunächst ein Mal südlich an der Stadt vorbeigehen und sie schließlich im Osten durch das Weißenburger Tor betreten müssten). Allein die Tatsache, dass hierbei die Fronte Schmauß (also die Hauptfront) durchbrochen wurde, zeigt sehr gut den Alterungszustand der Festungsanlage auf.

Im Jahr 1904 wurde offiziell beantragt, die Festung aufzulassen. Doch es dauerte neun Jahre bis dem Antrag 1913 stattgegeben wurde. Im folgenden Jahr bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte die Stadt keine Zeit mehr sich deutlich weiterzuentwickeln.

 

Alle ehemaligen und erhaltenen Festungsgemäuer sind nunmehr denkmalgeschützt.

 


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